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der Hirsch der Woche  | allgemeiner Wahnsinn |  Herrgott, wirf Hirn vom Himmel! |

der spezielle Wahnsinn...

Zur weiteren Vertiefung des alltäglichen Wahnsinns sei die folgenden Lektüre empfohlen.
Sie stellt natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, Objektivität und standfeste Geistesgüte des Verfassers.

Herrgott, wirf Hirn vom Himmel

Schau mich gefälligst an, wenn ich mit mir spreche!

Brennpunkt "Reißverschlußverfahren" - das hamm wir mal wieder geschickt eingefädelt.
(Verkehrserziehung von Onkel Markus)

Dieses Schild wenn naht, weiß ein jedes Kind "Oh, je! Das dauert mal wieder länger..."
In den letzten 400.000 Kilometern hinter dem Steuer kam ich immer wieder zu der traurigen Erkenntnis, dass es den Erfindern des Automobils wohl nicht gegeben scheint, im Straßenverkehr Vernunft walten zu lassen - die nebenher nicht nur einem jedem selbst, sondern auch noch der Allgemeinheit zum Nutzen gereicht. Das klassische Beispiel hierfür ist das allseits beliebte Reißverschlussverfahren, welches an Spurverengungen von mehrspurigen Kraftsfahrstraßen Verwendung findet.
Geplant ist vom Gesetzgeber eigentlich folgendes Vorgehen:
Das Erscheinen dieses Schildes deutet die Autofahrer darauf hin, im folgenden Verlauf der Straße immer langsamer zu fahren, bis man die eigentliche Engstelle - das Enden einer Spur - erreicht hat. Auf dem Weg dorthin sollten die Fahrer sowohl rechts als auch links nicht mehr überholen. Gedacht ist ferner, dass - am Nadelöhr angekommen - die Fahrer der durchgehenden Spur die Autos der endenden Spur jeweils abwechselnd einfädeln lassen.
Theoretisch würde das bedeuten, dass nun ein statt zwei Spuren die Last der Fahrzeuge tragen muss, also die Geschwindigkeit im Bereich der Engstelle ca. halbiert werden würde. Bei 60km/h auf einer Bundesautobahnbaustelle wäre das mit 30 km/h immer noch ein akzeptables Tempo!

In der Praxis unterscheidet der gelassene klassikradiohörende Beobachter neben den wenigen, die kapiert haben, um was es hier geht, primär drei Typen von Deppen:

1.: der Jägerzaundepp: Bei Erblicken des Schildes wird in geradezu vorauseilendem Gehorsam schnurstracks die Spur gewechselt und somit die anderen Verkehrsteilnehmer zu vorzeitigem Abbremsen gezwungen. Das verursacht die erste Stauung auf der durchgehenden Spur, da hier die "natürliche" Verzögerung gestört wird. An der Engstelle angekommen wird die Engstelle im Hirn eingeschaltet und mit unübertroffener Borniertheit der angebliche Reindrängler von links ausgesperrt. Damit kommt es zur Stauung auf der endenden Spur, da der Einfädler genötigt wird, stehen zu bleiben. Da sich irgendwann ein Samariter findet, der den armen Wicht reinläßt, kommt es auf der durchgehenden Spur zur zweiten Stauung, die es ebenfalls nicht gebraucht hätte.

2.: der Vollgasdepp: Ganz entgegen der Maßgabe, im Bereich vor der Verengung nicht mehr zu überholen, gibt es Typen, die an einem just einfädelnden Auto vorbeiwuseln, um sich dann unangebrachterweise 3 Wagenlängen Vorsprung zu verschaffen. Auch dieses Verhalten stört den "natürlichen" Verzögerungsprozess.

3.: der Spätzünder: Kaum hat man auf der durchgehenden Spur festgestellt, dass ja auf der anderen Spur alles frei ist, wird ausgeschert und auf die endende Spur gewechselt, um sich hier ebenfalls ein paar Wagenlängen zu ergattern.

Vielleicht hätte man vorausschicken sollen, wie es überhaupt zu Stauungen kommt:
Wenn gleich schnelle Autos in zu geringem Abstand hintereinander herfahren und eine Störung des Verkehrsflusses eintritt - zB. übermäßiges Abbremsen eines Fahrzeugs, warum auch immer - haben die hintendrein fahrenden Autos nicht mehr die Möglichkeit, durch gemächliches Ausrollenlassen (Motorbremse) die eigene Geschwindigkeit anzupassen. Eine eigene - verhältnismäßig starke - Verzögerung wird nötig. Diese notwendige Verzögerung wird von Fahrzeug zu Fahrzeug stärker, da ja der jeweige Reaktionszeitraum zu groß für den gehaltenen Abstand ist. Der Fehler verstärkt sich sozusagen selbst.

In unserem Fall führt also jegliches Abweichen von natürlichen Abläufen (bedingt durch falsch geplante Spurwechsel) eine Stauung in der anschließend hinter einem liegenden Fahrspur.

Hier funktioniert der allseits pragmatische Grundsatz "Wenn jeder an sich denkt, ist auch an alle gedacht." nicht mehr. Vielmehr ist jeder einzelne, der sich hier nicht ablaufkonform verhält, verantwortlich für die Stauung hinter ihm.

Gelassenheit und Abstand sind hier das Maß der Dinge!
Nur mit genügend Abstand zum Vordermann kann hier gewährleistet werden, dass auch die Vermächtnisse der Verkehrsdeppen, die auch ich nicht ausrotten werde, in Grenzen zu halten.

Probieren Sie es einmal aus! (Wenn das jetzt alle machen, hat sich diese halbe Stunde schon wieder rentiert...)

CO2-Ausstoß verringern: Klappe halten!

Heute hat es mir, geneigter Leser, das allseits gern gedroschene Thema CO2 angetan. Wie könnt es auch anders sein - CO2 ist heute (2007) in aller Munde. Bei den meisten Maulaufreissern zu diesem Thema könnte man allerdings zu dem Schluß kommen, CO2 sei die chemische Formel für heiße Luft.

Ganz getreu dem tucholskyschen Imperativ "Deutsche, kauft deutsche Bananen!" war's kürzlich die bislang als Verbraucherschutzschrimherrin gern gelobte Renate Künast, welche sich aus dem öden Oppositionsgrau ins Rampenlicht zu bringen vermochte mit den - frei zitierten - Worten "Deutsche, kauft japanische Autos!" In Bayern sagt man zu solchgleichen Faux pas "Jetzt werds hint' heha ois forn!" (hdt.: Es beliebt, im rückwärtigen Bereich weiter aufzuragen, als im vorderen.).

Es sei - polemisch zwar, jedoch kann ich grad nicht anders, man verzeih's mir - noch ergänzt, dass der Nachname der genannten Energie- und Bühnenpräsenz-Expertin schon immer so lautete und nicht erst mit der Rechtschreibreform das Ypsilon einüßte.

Nun, um was es der untadeligen Dame wohl ging - ich mutmaße hier zu ihren Gunsten - war sicherlich, einen Beitrag zur Verringerung des CO2-Ausstoßes zu leisten, dessen Auswirkungen in die Menschheitsgeschichte eingehen.
Ich bin versucht, an die zweite Überschrift des Artikels zu erinnern, jedoch unterlasse ich das unbewußt. Ein gewisser Hilferuf à la Judith aus "Life of Brian" Wir müssen aufhören zu reden und endlich was tun! liegt als Motivation zu so - man verzeihe mir abermals die Wortwahl - vaterlandsverräterischen Aufrufen nahe, kann sie aber nicht vollends entschuldigen! Ein Volk von Priusfahrern wird sicherlich nicht das Maß der Dinge sein auf dem Weg zu einer CO2- freien Umweltzone.

Woll'n wir mal wieder Block und Stift zu Rate ziehen und uns die Statistik so hinrechnen, dass ich meinen Transaxle noch in 20 Jahren ohne schlechtes Gewissen (nicht gewissenlos!) fahren kann!

Zu Beginn mal die Eckdaten abklären - um welche Dimensionen gehts hier? Laut Angaben auf der Seite des Statistischen Bundesamtes wurden im Jahre 2006 mit etwa 46,6 Mio. PkW deutschlandweit im Schnitt rd. 13.500km zurückgelegt. In Summe sind das 632 Milliarden Kilometer - zurückgelegt mit einem angenommenen Durchschnittsverbrauch von 9 Litern pro 100 km entspricht das einer verbrannten Kraftstoffmenge von 57 Milliarden Litern - also 1.215 Litern pro Fahrzeug.
Mit 23% Dieselfahrzeugen entspricht das etwa 13,1Mrd. L Diesel / 43,9Mrd. L Benzin insgesamt.
Mit den CO2-Zahlen von 2,35kg / L Benzin und 2,63 kg / L Diesel reden wir also von 103,2 Mio. Tonnen CO2 aus Benzin- und 34,5 Mio. Tonnen aus Diesel-Verbrennung. In Summe ergibt das 138 Mio. Tonnen CO2 - also etwa 2.954kg CO2 pro Auto und Jahr.

Also merken: ca. 3 Tonnen CO2 pro Auto und Jahr! 138 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr insgesamt durch PKWs!

Würden nun alle Deutschen Frau Künasts Vorschlag Folge leisten - ein Szenario, das aufgrund der vernichtenden Folgen für unsere Wirtschaft eigentlich gar nicht laut gedacht werden darf - könnte man pro Jahr damit rechnen, daß rund 3 Mio. unserer alten "Stinker" durch den Toyota Prius ersetzt würden. Mit 104g CO2 pro km und Prius hätten diese 3 Mio. Neufahrzeuge zusammen einen CO2-Ausstoß von 4,2 Mio. Tonnen im ersten Jahr.
Akkumuliert man dieses Szenario auf die nächsten zehn Jahre, hätten wir also rd. 2/3 des Fzg.-Bestands durch Toyota Prius ersetzt und durch sie 234,0 Mio. Tonnen CO2 ausgestoßen. Die verbleibenden "Stinker" aufsummiert brächten es im selben Zeitraum noch auf 853,3 Mio. Tonnen, was zusammen 1087,5 Mio. Tonnen CO2 bedeutet. Wenn alles so bliebe, wie bisher, würden im Selben Zeitraum 1380 Mio. Tonnen CO2 aus unseren alten "Stinkern" kommen.
Wenn man dem Szenario noch hinzufügt, dass in diesem Falle nach spätestens 10 Jahren in Deutschland aufgrund der darniederliegenden Wirtschaft ohnehin niemand mehr ein Auto kaufen könnte, sehe ich IMHO keinen rationellen Grund Frau Künast überhaupt noch ein einziges Mal das Rederecht zu erteilen. Die Einsparung gesamt über die nächsten 10 Jahre wären nur etwas mehr als 21% des CO2-Ausstoßes durch PKWs!

Und: der CO2-Ausstoß durch PKWs hat in etwa einen Anteil am deutschen Gesamtaufkommen von etwa 12% - Frau Künast hätte also den Gesamtausstoß der kommenden 10 Jahre um etwa 2,5% gesenkt.

B R A V O !

Wieso verdient Frau Künast eigentlich mehr als 2,5% meines Gehalts?

schönen guten Abend!


Rezession und Dosenpfand

"Die Leut sollten doch ihre Schuhe verkehrt rum anziehen, dass d' Absätz vorn sann, dann meinens auch, dass's aufwärts geht..." so hat Fredl Fesl seinerzeit gesagt. Flappsig zwar, aber im Kern nicht ganz ohne Wahrheit. Es geht uns allen ja so verdammt schlecht, dass wir alle immer jammern. Fällt Ihnen, lieber Leser, etwas auf? Sie lesen diese Zeilen und wohnen desswegen vermutlich im deutschen Sprachraum. Einer Gegend, in der sich die meisten Leute zwei Autos und Urlaub in der Toskana oder dem Schwarzwald leisten können. Trotzdem kennen Sie sicherlich ebenfalls Leute, deren Leben von so unglaublicher Pein gezeichnet zu sein scheint, dass sie es nicht über's Herz bringen, damit hinter dem Berg zu halten. Jammern ist Programm in Deutschland und gehört zum guten Ton, wie es scheint. Ich frage mich, wieso. Die Antwort, die ich für mich gefunden glaube ist, dass es uns allen viel zu gut geht.
Da sind Studenten in meiner Fakultät, die sich lauthals drüber beschweren, dass das auf Staatskosten bereitgestellte Internetcafe der Fakultät für Maschinenwesen so erschreckend langsame Recher besitzt. Lachen Sie schon? Bitte, lassen Sie sich nicht stören! Aber eigentlich ist es doch zum Heulen. Meine Generation hatte weder Weltkrieg, noch Wirtschaftswunder. Es gibt auch keine Terroranschläge seitens der APO mehr in Deutschland. (Was durch die Entwicklungen in jüngster Zeit noch auf uns zukommt, sei vorerst dahingestellt.) Kurz, die Menschen meiner Generation haben nichts mehr, für was es sich zu kämpfen lohnt. Man bezieht sein Taschengeld von Papa und wächst in sorglosem Wohlstand auf, der schon immer dagewesen zu sein scheint.
Aber nein, so verhält es sich natürlich nicht wirklich. Es gibt selbstredend auch die andere Seite des Spektrums: Menschen, die über das Leben reflektieren und bei Gott nicht alles hinterhergeworfen bekommen. Nur leider werden es nicht diese Menschen sein, die die Geschicke der Welt einmal in ihren Händen halten werden. Leider sind es allzuoft die Lebemämmer und -frauen, die es schaffen, sich in den Mittelpunkt zu stellen und dem Leben - auch dem Leben der anderen - ihren Stempel aufdrücken. Muss das so sein? Es scheint so. Die anderen, also die sachkundigen und vernünftigen Mitmenschen haben ja andere Probleme, mit denen sie sich herumschlagen müssen. So kommt es denn auch, dass in Deutschland Kompetenz nicht mehr gefragt ist. Wir steuert darauf zu, dass es nicht mehr wichtig ist, gute Arbeit zu leisten, sondern nur, wie sich schlechte Arbeit am Besten verkaufen lässt.
Wenn Sie sich jetzt zurücklehnen und sich fragen, wann denn diese Situation eintreten wird, muss ich Sie leider aufschrecken und Ihnen mitteilen, dass es schon lange so weit ist. Ein Beispiel gefällig?
Dosenpfand: Hier haben wir ein ausgesuchtes Bonmot unserer berliner Kompetenzriege vor Augen. Aluminium, einer der Werkstoffe, die am meisten chemische und elektrische Energie zur Herstellung benötigen, wird für eine Einwegverpackung misbraucht. Fragen Sie mal Ihren Chemielehrer, wieviel Zusatzstoffe dem Bauxit beigemengt werden müssen, um Aluminium zu extrahieren! Für eine Tonne Aluminium benötigt man einige Kilogramm Kryolith. Das ist eine stark fluorlastige Mineralverbindung. Fluor, ein höchst aggressives Gas entweicht dabei und muss abgefangen werden.
Zur Vertiefung empfehle ich Ihnen diese Seite.
Wenn Sie nun betrachten, woher das in Deutschland verwendete Aluminium kommt (meine Quelle), stellen wir fest, dass im nicht unerheblichen Maße Staaten darunter sind, die der Industrie nicht die selben Emmissionsauflagen machen wie Deutschland.
Und nun? das Dosenpfand! Yippieh! Endlich ist die Dose genauso umweltfreundlich wie die Glasflasche! Ist das nicht phantastisch? Jetzt können wir endlich nach Herzenslust unseren Durst mit Aludosen stillen und brauchen kein schlechtes gewissen mehr zu haben! Toll! Danke, Bundesregierung!
Was aber noch nicht geklärt ist, ist die Frage inwiefern Dosen aus Neu- oder Altaluminium hergestellt werden. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass in puncto Recycling nicht immer alles Gold ist, was glänzt...Weiter Infos hierzu folgen, sobald ich diese Frage beantworten kann.
Quelle:http://cip.physik.uni-wuerzburg.de/~asmild/bilder/mex_tun.jpg

Sicherlich sollte uns aber klar werden, dass es lohnt, Dinge zu hinterfragen. Das Dosenpfand kommt. Aber wem nützt es? Vermutlich einzig und allein der Getränkeindustrie. Nun, selbstverständlich bedarf es nun neuer Logistik, um die Behälter wieder zum Produzenten zurückzuführen, aber langfristig wird die Dose sich somit als Pseudo-Mehrwegverpackung etablieren. Der letzte Flaschenfan wird über kurz oder lang durch das Pfandsystem versucht sein, den Wiederverwertungsversprechen zu glauben. Nur möchte ich nicht in Vergessenheit geraten lassen, dass eine Flasche nur ausgespült werden muss. Eine Dose ist aber vor der Wiederbefüllung zuerst einzuschmelzen, da ja der Verschluss mit nach dem Öffnen nicht mehr zu gebrauchen ist. Ich möchte es dem Leser selbst überlassen, abzuwägen, was mehr Energie in Anspruch nimmt.
Wenn sich nun die Dose in den Köpfen etabliert hat, wird die Flasche verdrängt werden, da sie pro Inhaltsmenge deutlich schwerer ist. Bei einer gegebenen maximalen Zuladung eines Getränke-LKWs bringt die Dose schließlich eine höhere Nettobeladung mit sich, was der Getränkeindustrie wiederum Kosten spart. Weshalb sollte sie dann noch Flaschen befüllen und nicht stattdessen die dafür nötigen Anlagen auflösen?

Kurzsichtigkeit und Kompetenzmangel lebe hoch in Berlin! Das scheint der Zeitgeist zu sein, der unser neues Jahrhundert begleitet. Das sind Qualitäten, die unserem Land gerade noch gefehlt haben. Blicken wir also frohgemut den drängenden Problemen der Finanzmisere ins Auge! Mir graut!


Thermodynamik in allen Lebenslagen

Der KFZ-Mechaniker meines Vertrauens sagte jüngst zu mir, dass er sehr betrübt darüber sei, dass moderne Autos immer noch genausoviel verbrauchen wie die Spritschleudern von vor 30 Jahren. Ich frage mich, woher das kommt. Nun, die Antwort liegt nahe: Der erste Hauptsatz der Thermodynamik besagt schon, dass die Energie in einem abgeschlossenen System immer konstant ist. In anderen Worten: Von nix kommt nix.
Wenn wir uns nun zu einem Vergleich herablassen und ein brandaktuelles Fahrzeug - beispielsweise den smart - einem Klassiker aus den Fünfziger Jahren - zum Beispiel der Isetta 600 - gegenüberstellen, entdecken wir folgende technischen Daten:

Fahrzeug: Isetta 600 smart
Leergewicht: 370 kg 740 kg
Beschleunigung 0-100 km/h: 58 s 18,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h 135 km/h
Sitze: 4 2
Verbrauch auf 100km: 5,8 l 4,1-6,0 l
(Quelle 1) (Quelle 2) (Quelle 3)


Nun, was fällt dem geneigten Leser auf? Sehr richtig! Die 40 Jahre, die zwischen den Markteinführungen dieser beiden Stadtautos liegen, haben offenbar keine großartigen Früchte in puncto Verbrauch getragen. Woher mag das kommen? Nun, 58 Sekunden von 0 auf 100 km/h sind wohl heute inakzeptabel. Warum? Warum lohnt es sich ferner, auf 2 Sitzplätze zu verzichten, und trotzdem das Doppelte an Leergewicht zu erreichten? Wir sind zur Spaßgesellschaft verkommen. Ja, ich sage bewußt "verkommen", da ich diese Entwicklung nicht gutheißen will. Beschleunigung und Geschwindigkeit sind uns wichtig. Scheißegal, wie die Schwiegermutter nach hause kommt, oder wo der Kindersitz hinkommt. Für den Fahrer und die Sozia (oder umgekehte Geschlechteraufteilung) zählt offenbar nur, dass die Kiste an der Ampel schneller geht, als des Nachbars Opel. Dafür bedarf es dann aber diverser Sicherheitsextras, die sowohl Gewicht als auch Fehleranfälligkeit in die Höhe treiben.
Mag der Leser denken, wie er will, aber dem Autor missfällt diese Entwicklung.


Früher war alles besser - früher hätte es das nicht gegeben!

Ein Ausruf, den wir Jungen öfters mal von den "Alten" zu hören bekommen. Früher, früher, früher...! Sind wir doch mal ehrlich: das ist doch Quatsch! Sicherlich gab es früher kein Ozonloch und keine höhere Neuverschuldung. Die Renten waren noch so sicher wie in Abrahams Wurstkessel. Aber früher gabs auch Lebensmittelmarken, Trümmerfrauen (die heute keine Rente mehr bekommen, ok!), Weltwirtschaftskrisen (ich meine die Richtigen - nicht die, die in die Tasche eines Armani-Anzuges passen), ja und noch früher gab es auch Pest und Cholera.
War es früher wirklich besser? Als geborener 76er kann ich mir nicht wirklich anmaßen, allumfassend darüber zu urteilen, aber ich mach mir meine Gedanken und komme zu folgendem Schluss: Der Mensch hat eine Veranlagung dazu, die Vergangenheit durch die rosarote Brille zu sehen.
Spontaneintäts-Test: Schnell antworten, geneigter Leser! Wollen Sie wieder einmal siebzehn sein?
Ja? Fast jeder von Ihnen wird das vermutlich so beantwortet haben, richtig? Etwas ausführlicher gefragt: Liebten sie Latein-Schulaufgaben, auf die sie nicht vorbereitet waren? Oder genossen Sie es gar, Stubenarrest bekommen zu haben, weil sie mal wieder in Mathe eine Fünf nach Hause gebracht haben? Sind Sie Masochist? Ich vermute, nein. Aber ich denke, dass der Mechanismus des "Schön-Denkens" der Vergangenheit durchaus funktioniert.
Aber, der geneigte Leser hat mich bestimmt schon entlarvt, ich will eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus:
Wie der Leser vielleicht schon weiß, lebe ich in einer beschaulichen Gemeinde im Voralpenland mit dem wunderschön-romantischen Namen Seefeld. Neulich schlederte ich auf dem Weg zum Zigarettenautomaten durch "mein" Dorf und musste feststellen, dass irgendjemand - mit einer Spraydose bewaffnet - eine Spur der Verwüstung durch das Dorf gezogen hat. Natürlich kommt man zuerst darauf, dass es sich wohl um Jugendliche gehandelt haben muss, die diese "Schmiererei" angerichtet haben. Nun höre ich sie schon wieder wehklagen, die Älteren unseres Dorfes, dass es sowas früher nicht gegeben hätte. Aber warum gibt es das denn dann heute?
Gut, gehen wir mal davon aus, dass es sich bei den Vandalen wirklich um Jugendliche gehandelt habe. Diese "Kids" müssen doch Eltern haben. Meine Eltern haben mich derart zu erziehen versucht, dass ich niemals auf die Idee kommen würde, fremdes Eigentum zu beschädigen. Warum haben die Eltern dieser vermeindlichen Missetäter das nicht gemacht? Bestimmt nicht mit Absicht, denn deren Eltern sind doch - rein chronologisch betrachtet - genau DIE Leute, die heute darüber klagen, dass es solche Vorkommnisse geben darf. Klingt komisch - is aber so!
Das was wir tun und sagen hat Auswirkungen, die wir sehr oft erst wesentlich später präsentiert bekommen. Das Leben ist wie ein Regelkreis: Das Ausgangssignal des Systems "Leben" hat i.d.R. etwas damit zu tun, was wir vorher als Eingangssignal reingesteckt haben. Wenn ich als imaginärer Pensionär mich über die Kinder von heute aufregen muss, sollte ich mich doch fragen, warum meine Kinder die ihrigen nicht so erzogen haben, wie ich mir das wünsche. Warum verhalten sich also meine Enkel so konträr zu meinen Wertvorstellungen? Für deren Erziehung sind doch meine Kinder zuständig. Hab ich bei der Erziehung meiner Kinder etwa irgendwas vergessen? Etwa, ihnen mitzuteilen, dass auch sie einmal ihre Kinder erziehen müssen? Dann hab ich doch was falsch gemacht, oder?